Aktueller Rundbrief: Ausgabe 9 – September 2021

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

Entscheidung des EU-Parlaments zum Antibiotikavorbehalt für die Humanmedizin

Die Tierärzteschaft hat sich in den letzten Wochen vehement gegen einen Antrag des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) im EU-Parlament eingesetzt, mit dem zahlreiche für die Veterinärmedizin essenzielle Antibiotikaklassen weggefallen wären. Der Antrag zielte darauf ab, den Verordnungsentwurf zum Thema „Antibiotikavorbehalt für die Humanmedizin“ abzulehnen, der auf einer wissenschaftlichen Einordnung der Antibiotikaresistenzsituation basiert.

Sehr zur Erleichterung der BTK stimmten die Mitglieder des EU-Parlaments am 15.09.2021 gegen den Antrag aus dem ENVI-Ausschuss und damit für den Entwurf der delegierten Verordnung der Kommission (DEA 2021/2718) über „Kriterien zur Identifizierung von antimikrobiellen Arzneimitteln, die für die Behandlung von Menschen vorbehalten sind“. Damit kann nun unter Berücksichtigung des „One Health“-Ansatzes eine Liste mit für den Menschen reservierten Antibiotikaklassen erstellt werden, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Human- und Veterinärmedizin basiert.

In einer Pressemeldung betont BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann, dass insbesondere die Tierärzteschaft in den vergangenen Jahren bereits zu einer deutlichen Reduktion des Antibiotikaeinsatzes beigetragen habe. Außerdem appelliert Tiedemann an alle Tierärzt:innen, auch weiterhin Umsicht und Vernunft bei der Anwendung dieser wichtigen Substanzen walten zu lassen. Nur so könne gewährleistet werden, dass auch zukünftig, im Sinne des Tierschutzes sowie einer erfolgreichen Zoonoseprävention, Menschen und Tiere eine zielgerichtete Therapie mit Aussicht auf Erfolg erhalten können.

· Presseinformation der BTK (16.09.2021)

 

Tollwutfall in Deutschland

In einer aktuellen Pressemitteilung informiert die Bundestierärztekammer (BTK) über die Gefahren des illegalen Welpenhandels. Denn Medienberichten zufolge war ein Mitte September verstorbener Welpe aus Bremen nachweislich mit Tollwut infiziert gewesen. Laut Angaben stammte der Welpe aus Südosteuropa. Dass die Möglichkeit besteht, durch einen ungeimpften Welpen aus dem Ausland eine schwere Krankheit, z. B. Parvovirose, Staupe oder auch Tollwut, nach Deutschland einzuschleppen, sei nicht überraschend oder neu, sagt BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann.

Nicht erst seit der Corona-Pandemie laufe das profitable Geschäft mit den niedlichen, aber oft infizierten oder sehr kranken Billigwelpen über die Landesgrenzen hinweg. Diese Krankheiten haben ihren Ursprung in der nicht artgerechten Haltung und Aufzucht der Hunde. Die Welpen stammen meist aus Vermehrungszuchten in Osteuropa, werden auf engstem Raum gehalten, sind weder geimpft noch entwurmt und werden viel zu früh von der Mutter und ihren Geschwistern getrennt. Falls Papiere vorgelegt werden, seien diese oft gefälscht und die Herkunft der Tiere sei kaum zu verfolgen, erklärt Dr. Tiedemann.

· Presseinformation der BTK (20.09.2021)

 

Anhebung des Mindestalters von Saugkälbern beim Transport

Der Bundesrat hatte am 25.06.2021 überraschend eine Änderung der Tierschutztransportverordnung beschlossen, die das Mindestalter von Kälbern zum Transport von 14 Tagen auf 28 Tage heraufsetzt. Als Begründung für diesen Beschluss wurde u. a. die gemeinsame Positionierung von BTK und Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz (TVT) zum Transport von Kälbern angeführt. Mit einer Stellungnahme vom 20.09.2021 bestätigt die BTK ihre veterinär-fachliche Position: Kälber sollten beim ersten Transport in Aufzucht- oder Mastbetriebe so alt wie möglich sein und mindestens ein Alter von 28 Tagen erreicht haben. Den Herausforderungen, vor denen die landwirtschaftlichen Betriebe bei der Umstellung stehen, muss Rechnung getragen werden.

· Stellungnahme zum Mindestalter beim Kälbertransport (20.09.2021)

 

Entscheidungshilfen für die Beurteilung von Qualzuchtausprägunge aktualisiert

Mit dem Ziel, die Arbeit für die amtstierärztlich tätigen Kolleg:innen im Kampf gegen Qualzuchten bei Hund und Katze zukünftig zu erleichtern, haben die Mitglieder der BTK-Arbeitsgruppe „Qualzucht beim Klein- und Heimtier“ die 2018 erarbeitete Entscheidungshilfe für Amtstierärzt:innen zur Beurteilung der Qualzuchtausprägungen umfassend überarbeitet. Die ursprünglich nur für den brachyzephalen Hund erstellte Hilfe wurde über die Brachyzephalie hinaus auf weitere Qualzuchtmerkmale erweitert und ist zudem nun auch für die Katze verfügbar. Ziel ist es, die Entscheidung, ob eine Anordnung nach § 16a Tierschutzgesetz erforderlich ist, sowie deren fachliche Begründung, zu erleichtern.

Die neuen Bögen bestehen aus einem durch die Besitzer:innen auszufüllenden Mantelbogen und
einem separaten Bogen für die (amts)tierärztliche Beurteilung. Diese Zweiteilung soll zu einer besseren Übersichtlichkeit und leichteren Handhabung beitragen. Damit die Bögen durch die amtstierärztlichen Kolleg:innen dem jeweils bestehenden Bedarf angepasst werden können, werden sie als veränderbare Dokumente über die Homepage der BTK zur Verfügung gestellt (Rubrik „Für Tierärzte/Qualzuchten – Service für Tierärzte“).

 

Umfrage zu Erfahrungen mit Euthanasien von companion animals

Die Euthanasie von Heimtieren ist ein komplexer Prozess und v. a. für Tierbesitzer:innen ein emotional einschneidendes Ereignis. Tierärzt:innen stehen dabei vor der Herausforderung, dem Tier und den
Erwartungen der Besitzer:innen gerecht zu werden. Neben den medizinischen Fertigkeiten und der Kenntnis der (Tierschutz-)Rechtslage sind Tierärzt:innen hier auch in Bereichen wie Tierethik und
Besitzerkommunikation gefordert.

Mit einer Umfrage sollen die Vorstellungen und Erfahrungen von praktizierenden Tierärzt:innen im Zusammenhang mit Euthanasien von companion animals betrachtet werden. Dabei geht es nicht um die rein technische Durchführung einer Euthanasie, sondern vielmehr um den komplexen Prozess der Entscheidungsfindung, den Umgang mit Tierbesitzer:innen und die Verarbeitung der Erfahrungen mit dieser sensiblen Thematik. Parallel dazu wird eine ähnliche Umfrage unter Tierbesitzer:innen durchgeführt, in der deren bisherige Erlebnisse, Wünsche und Vorstellungen abgefragt werden.

Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen Kommunikationsempfehlungen und Informationsmaterialien entstehen, die in der tierärztlichen Praxis genutzt werden können. Sowohl Berufseinsteiger:innen als auch erfahrene Tierärzt:innen können hiervon profitieren. Die Ergebnisse sollen auch im Bereich der veterinärmedizinischen Aus- und Weiterbildung durch die Einbindung in die studentische Lehre und Fortbildungsmodule genutzt werden und damit letztlich zu einer Bewusstseinsschärfung und Steigerung der Zufriedenheit aller Beteiligten beitragen.

Die Studie wird am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität (FU) Berlin betreut durch
Prof. Dr. Marcus Doherr, Institut für Veterinär-Epidemiologie und Biometrie, sowie Prof. Dr. Christa Thöne-Reineke und Dr. Beryl Eusemann, Institut für Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde. Unterstützen Sie diese Studie mit Ihren bisherigen Erfahrungen zu diesem hochrelevanten Thema durch das Ausfüllen des anonymen Fragebogens.

Link zur Umfrage: https://survey2.vetmed.fu-berlin.de/index.php/861836?lang=de

Die Umfrage ist geöffnet bis 31.11.2021.

Wenden Sie sich bei Rückfragen gerne per E-Mail an Carolin Böger, Tierärztin/Doktorandin
(carolin.boeger@gmx.de).

 

Mindestanforderungen zur Biosischerheit: Empfehlungen veröffentlicht

Die Delegiertenversammlung der BTK hat auf ihrer Sitzung am 17./18. September „Mindestanforderungen zur Biosicherheit für Tierärztinnen und Tierärzte“ verabschiedet. Zur Abstimmung standen zum einen von der verbändeübergreifenden Arbeitsgruppe „Biosicherheit“ vorgelegte Mindestanforderungen „beim Besuch von Schweine- und Geflügelhaltungen“, zum anderen die vom Ausschuss für Wiederkäuer abschließend bearbeiteten Mindestanforderungen „beim Besuch von Tierhaltungen mit Rindern und kleinen Wiederkäuern“. Beide Dokumente sind auf der Homepage der BTK veröffentlicht (Rubrik „Für Tierärzte/Leitlinien/Biosicherheit“).

 

Umfrage - Gehört künstliches Fleisch künftig zu unserer Ernährung?

Die Forschungseinrichtung WING (Wissenschaft und Innovation für Nachhaltige Geflügelwirtschaft) der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover unterstützt eine Studie von französischen Wissenschaftler:innen, in der die Meinungen von Konsument:innen auf der ganzen Welt zu künst-
lichem Fleisch abgefragt und ihre Vorlieben und/oder Abneigungen erhoben werden. WING übernimmt die Ansprache deutscher Verbraucher:innen.

  Bratwurst aus künstlichem Schweinefleisch. © New Age Meats, USA

Künstliches Fleisch (alternativ auch In-vitro-Fleisch, kultiviertes Fleisch, Laborfleisch, Clean Meat oder synthetisches Fleisch genannt) ist ein Novel Food. Hergestellt wird es mithilfe tierischer Stammzellen, die in
einer Nährlösung so behandelt werden, dass aus ihnen Muskelzellen entstehen. Die Stammzellen können von lebenden oder geschlachteten Tieren gewonnen werden.

Die Produktion von künstlichem Fleisch ist besonders im Hinblick auf eine wachsende Weltbevölkerung und die dadurch steigende Nachfrage nach Lebensmitteln interessant. Die damit im Zusammenhang stehenden Probleme hinsichtlich der Umwelt, ethischer Belange, aber auch in Bezug auf die Herausforderungen der konventionellen Fleischerzeugung sind zentrale Themen, die v. a. ein lösungsorientiertes Handeln in der Wissenschaft notwendig machen.

Jeder ab einem Alter von 18 Jahren hat durch Teilnahme an dieser Onlinebefragung die Möglichkeit, an diesem Forschungsprojekt mitzuwirken. Die Beantwortung dauert ca. 15 Minuten, es wird selbstverständlich sichergestellt, dass persönliche Daten und die bereitgestellten Angaben datenschutz-
konform verarbeitet sowie vertraulich behandelt und nur für die Studie verwendet werden.

Die Onlineumfrage zu künstlichem Fleisch kann auf folgender Website ausgefüllt werden:

www.tiho-hannover.de/kuenstliches_fleisch

 

Universität Gießen und FLI kooperieren in der Zoonoseforschung

Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) verstärken ihre Zusammenarbeit im Bereich der Zoonoseforschung, eine entsprechende Vereinbarung der beiden Einrichtungen wurde im September unterschrieben. Wie die JLU mitteilte, soll die Intensivierung der gemeinsamen Forschungen dazu dienen, die Ursprünge von zoonotischen Infektionen besser zu verstehen und wirksame Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Hier gebe es großen Nachholbedarf. Im Fokus der gemeinsamen Arbeit solle der „One Health“-Ansatz stehen, also die ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, berichtete die Universität. So sei auch die gemeinsame Berufung einer Professur für Internationale Tiergesundheit/One Health geplant.

· Pressemitteilung des FLI (27.08.2021)

· Quelle: AgE

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Oktober 2021

 

TPT-Tagung

Im Juni fand der inzwischen dritte Austausch der Tierärztlichen Plattform Tierschutz (TPT) mit Nichttierärzt:innen statt, diesmal zum Thema „Nutztierhaltung im Spannungsfeld von Ziel- und Interessenkonflikten“. Dies ist ein Bericht von Prof. Dr. Thomas Blaha, dem die Gesamtkoordination der TPT übertragen wurde.

Heimtierhandel

Der illegale Heimtierhandel hat während der Corona-Pandemie merklich zugenommen. Das bestätigen auch die Zahlen des Deutschen Tierschutzbundes über die ihm bekannt gewordenen Fälle für das Jahr 2020. Die Auswertung dieser Datenerhebung sind hier von Dr. Romy Zeller et al. zusammengefasst.

BTK-Delegiertenversammlung

Am 17./18.09.2021 fand erstmals seit Beginn der pandemiebedingten Einschränkungen in Berlin wieder eine Delegiertenversammlung statt und das sogar in Präsenz. Hier sind der Sitzungsplan und die Beschlüsse wiedergegeben.

 

 

Termine 2021

 
6. Oktober Ausschuss für Fische Berlin
7. Oktober Ausschuss für Berufs- und Standesrecht, Geschichte und Ethik

Berlin

12. Oktober

Arbeitsgruppe „Integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung“ Berlin

27. Oktober

Arbeitskreis Pferd Berlin

16. November

Ausschuss für Kleintiere Berlin



Termine 2022

24./25. März Erweitertes Präsidium

Berlin

25./26. März Delegiertenversammlung

Berlin

14. September Delegiertenversammlung

Berlin

15./16. September 29. Deutscher Tierärztetag

Berlin

Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.