Aktueller Rundbrief: Ausgabe 1 – Januar 2020

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

BTK-PRESSEKONFERENZ AUF DER IGW

Anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin, fand am 21.01.2020 die BTK-Pressekonferenz „Animal Hoarding | Afrikanische Schweinepest" statt.

Dr. Christine Bothmann, 1. Vizepräsidentin des Bundesverbands der beamteten Tierärzte, und Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, machten mit Fallbeispielen deutlich, welche extremen Ausmaße Animal Hoarding-Fälle annehmen können. Eine aktuelle Datenerfassung des Deutschen Tierschutzbunds von 2018 zeigt, dass die Zahl der gehorteten Tiere 2018 mit ca. 3.900 Individuen ihren Höchststand erreichte. Für die Tierheime, die die Tiere nach einer Beschlagnahmung in der Regel aufnehmen, stellen diese Fälle eine immense Belastung dar. Sie werden plötzlich mit einer großen Anzahl Tiere konfrontiert, was eine finanzielle, personelle und psychische Belastung für die Heime und ihre Mitarbeiter bedeute. Auch für den Amtstierarzt heißt die Bearbeitung solcher Fälle, dass ein erheblicher Zeit- und Personalaufwand erforderlich wird. Denn nach einer strategischen Vorplanung und einer Kontrolle mit vielen Beteiligten sei ein mehrstündiger bis zu mehrtägiger Ortstermin erforderlich, bei dem das dort erlebte Tierleid alle Akteure an ihre Grenzen bringe. Eine dann folgende Auflösung eines Tierbestands bedeute aber auch für jeden Tierhalter das Maximum an Verlust und Leid. Um solche Ausmaße in Zukunft zu verhindern, stellten Bothmann und Gerlach einige Lösungsansätze vor.

(v.l.n.r.): Dr. Christine Bothmann, Dr. Moira Gerlach, Dr. Heidemarie Ratsch, Präsidentin der Berliner Tierärztekammer, Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der BTK, Dr. Iris Fuchs, Prof. Dr. Dr. h. c. Thomas Mettenleiter

Zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) referierten Dr. Iris Fuchs, 1. Vizepräsidentin der BTK, und Prof. Dr. Dr. h. c. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Obwohl Deutschland bisher frei von dieser Tierseuche geblieben ist, ist sie in Belgien und im Westen Polens bedrohlich nahe an die deutschen Außengrenzen herangerückt. Für Dr. Fuchs ist die Früherkennung von Tierseuchen ein maßgeblicher Faktor zu ihrer Bekämpfung. Tierärzte leisten bei der Prävention und Bekämpfung von Tierseuchen einen wesentlichen Beitrag, der laut Fuchs auch wertgeschätzt werden müsse. Die Tierärzteschaft fordere deswegen u. a. eine Personalverstärkung in der Veterinärverwaltung und die Förderung von Schulungsmaßnahmen für Jäger und Landwirte. Alle Beteiligten sollten sich ihrer Verantwortung zur Mitwirkung bewusst sein. Prof. Mettenleiter sieht die Möglichkeiten der Prävention und somit die Minimierung der Eintragswahrscheinlichkeit insbesondere in erhöhter Wachsamkeit und umfangreichen Biosicherheitsmaßnahmen. Da auf absehbare Zeit kein adäquater Impfstoff zur Seuchenkontrolle zur Verfügung stehen werde, solle der Früherkennung und dem angemessenen Einsatz von Maßnahmen in Deutschland eine herausragende Rolle zukommen.

BTK-Pressemitteilung und Zusammenfassungen der Referenten (22.01.2020)

 

ERSTER FALL VON HPAI H5N8 BEI WILDVOGEL IN DEUTSCHLAND - FLI PASST RISIKOEINSCHÄTZUNG AN

Aufgrund eines seit Jahresbeginn plötzlichen überregionalen Ausbruchsgeschehens von Hochpathogener Aviärer Influenza (HPAIV) des Subtyps H5N8 in Geflügelbetrieben in Osteuropa und eines Falls bei einem Wildvogel in Deutschland (Feststellung: 20.01.2020) wurde die Risikoeinschätzung aktualisiert. Das Risiko eines Eintrags von HPAIV in Nutzgeflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen durch direkte Kontakte zu Wildvögeln wird nun als mäßig eingestuft, ebenso das Eintragsrisiko für Wassergeflügelhaltungen in Deutschland. Das Risiko eines direkten Viruseintrags in deutsche Geflügelbetriebe durch Lebendtransporte aus EU-Mitgliedstaaten wird weiterhin als gering erachtet. Auch das Risiko eines Eintrags durch HPAIV kontaminierte Gegenstände aus den betroffenen Regionen wird weiterhin als mäßig eingestuft.

Kurzbericht (FLI , 22.01.2020)
Risikoeinschätzung zum Auftreten von HPAIV H5 in Deutschland (Stand: 21.01.2020)

 

WICHTIGER HINWEIS ZUR GOT/NOTDIENST

Die Verordnung zur Änderung der GOT wurde Ende Dezember zwar vom Bundesrat verabschiedet, sie tritt aber erst mit Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft. Das ist bisher noch nicht geschehen. Derzeit ist also die bisherige GOT gültig (ohne Notdienstgebühr).

Die Verzögerung der Bekanntmachung resultiert aus der geänderten Beschlussfassung zur Entwurfsdrucksache aus der Sitzung des Bundesrates am 20.12.2019. Diese Änderung muss vor Veröffentlichung noch vom Bundeskabinett bestätigt werden (am 29.01.2020 hat sich das Bundeskabinett mit der GOT befasst). Sie finden das Bundesgesetzblatt unter: https://www.bgbl.de/ dort können Sie sich selbst über die Veröffentlichung informieren. Wir halten Sie aber selbstverständlich an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Mit Inkrafttreten sieht die Änderung der GOT vor, dass innerhalb des tierärztlichen Notdienstes mindestens mit dem zweifachen Gebührensatz abgerechnet werden muss, zusätzlich ist die Erhebung einer Notdienstgebühr von 50,00 € vorgesehen. Die Verpflichtung, eine Notdienstgebühr und mindestens den zweifachen Gebührensatz zu erheben, entfällt für Leistungen, die im Rahmen der regulären Sprechzeiten einer tierärztlichen Praxis, tierärztlichen Klinik oder sonstigen tierärztlichen Einrichtung erbracht werden. Wenn eine Praxis regulär am Freitagabend bis 20:00 Uhr oder am Samstagvormittag Sprechzeiten anbietet, so handelt es sich dabei nicht um einen tierärztlichen Notdienst. Es ändert sich für die regulären Sprechzeiten also nichts.

Die BTK wird zu dieser Thematik ein Merkblatt erarbeiten, das in den Praxen ausgelegt werden kann. Außerdem wird es eine Pressemitteilung dazu geben.

 

EFSA VERÖFFENTLICHT GUTACHTEN ZUM TIERSCHUTZ BEI DER HALTUNG VON NUTZKANINCHEN

Das wissenschaftliche Gutachten der EFSA (European Food Safety Authority) „über Gesundheit und Wohlergehen von Kaninchen, die in verschiedenen Produktionssystemen gehalten werden (on health and welfare of rabbits farmed in different production systems)" basiert auf einer umfangreichen Umfrage unter Kaninchenexperten in der EU. Das Gutachten stützt sich auf das Urteil von Experten, da zu diesem Thema nur wenige Daten verfügbar sind. In ihren Empfehlungen betont die EFSA die Notwendigkeit, Daten über das Wohlergehen von Nutzkaninchen in der gesamten EU zu sammeln. Die EFSA schlägt außerdem vor, dass konventionelle Käfige vergrößert und strukturell verbessert werden sollten, um das Wohlergehen der Kaninchen zu verbessern.

Die Kaninchenzucht in der EU findet hauptsächlich in fünf Mitgliedstaaten statt: Frankreich, Ungarn, Italien, Portugal und Spanien. Die Haltungspraktiken sind sowohl zwischen als auch innerhalb dieser Länder sehr unterschiedlich. Das wissenschaftliche Gutachten der EFSA konzentriert sich auf sechs Bsp. für Haltungssysteme: konventionelle Käfige, strukturell ausgestattete Käfige, Hochbuchten, Bodenbuchten, Freiland-/Teilauslaufsysteme und ökologische Systeme.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen des Gutachtens sind:
Das Wohlbefinden der erwachsenen Kaninchen in konventionellen Käfigen ist geringer als in den fünf anderen Haltungssystemen. Der bedeutendste Faktor für das Wohlergehen ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit.
Das Wohlergehen von nicht abgesetzten Kaninchen ist in Freiluftsystemen am niedrigsten und in Hochställen am höchsten. Die größte Auswirkung auf das Wohlbefinden von Kaninchen in Freilandhaltung ist die thermische Belastung.

Die EFSA hat kürzlich noch zwei weitere Gutachten zu Tierschutzfragen im Zusammenhang mit der Kaninchenzucht veröffentlicht: Das eine befasst sich mit Betäubungsmethoden und identifiziert Tierschutzrisiken und Indikatoren für Bewusstlosigkeit im Schlachtprozess. Das andere Gutachten befasst sich mit Tierschutzfragen im Zusammenhang mit der Tötung aus anderen Gründen als der Fleischproduktion (z. B. Seuchenbekämpfung).

Kaninchen sind die zahlenmäßig zweithäufigste Nutztierart in der EU. Obwohl es Vorschriften gibt, die Mindeststandards für den Schutz von Nutztieren, einschließlich Kaninchen, festlegen, gibt es in der EU keine artspezifischen Rechtsvorschriften zum Schutz von Nutzkaninchen. Im Jahr 2017 verabschiedete das Europäische Parlament eine Entschließung über Mindeststandards zum Schutz von Nutzkaninchen und bat die EFSA um ein wissenschaftliches Gutachten, das bei der Umsetzung der Entschließung helfen soll.

Die vollständigen Gutachten liegen in englischer Sprache vor und können über die Homepage der EFSA heruntergeladen werden:

Scientific opinion on health and welfare of rabbits farmed in different production systems
Scientific opinion concerning stunning methods and slaughter of rabbits for human consumption
Scientific opinion concerning killing of rabbits for reasons other than slaughter

 

AUFHEBUNG DES RUHENS FÜR EINE WEITERE ZULASSUNG EINES FLUNIXIN-PRÄPARATS

Das Ruhen der Zulassung für das Tierarzneimittel Finadyne RPS 83 mg/ml (Zul.Nr. 400773.00.00) der Firma Intervet Deutschland GmbH konnte aufgehoben werden, nachdem der Hilfsstoff Diethanolamin ausgetauscht und eine entsprechende Änderungsanzeige positiv beschieden wurde.

Diese Injektionslösung mit dem Wirkstoff Flunixin für Rinder, Schweine und Pferde ist entsprechend ab sofort wieder verkehrsfähig.

Meldung auf der BVL-Webseite         

 

REGISTRIERKASSENPFILCHT

Da es immer wieder zu Nachfragen bei der Thematik der „Registrierkassenpflicht" kommt, weisen wir dazu zur Information auf die folgenden Artikel aus dem Deutschen Tierärzteblatt hin.

Übergangsregelung für Umstellung von Registrierkassen (Ausgabe 11/2019, PDF S. 27)
Keine allgemeine Pflicht zur Nutzung von Registrierkassen (Ausgabe 08/2019)

 

EMPFEHLUNGEN DES FLI ZUR DESINFEKTION BEI TIERSEUCHEN

Laut des Tiergesundheitsgesetzes ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ermächtigt, Mittel und Verfahren zu bestimmen, die bei einer tierseuchenrechtlich vorgeschriebenen Desinfektion, Bekämpfung von Schadnagern oder sonstigen Schadorganismen verwendet werden dürfen, um sicherzustellen, dass Tierseuchenerreger unwirksam gemacht und ihre Weiterverbreitung verhindert wird.

Es handelt sich dabei um eine Richtlinie, nach der die zuständige Behörde die in den jeweiligen Bekämpfungsverordnungen enthaltenen Vorschriften zur Desinfektion im Einzelnen anweisen kann. Aufgrund aktueller Entwicklungen wurde das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gebeten, die Richtlinie unter Mitarbeit von externen Experten erneut zu überarbeiten.

Dementsprechend wurden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Desinfektionsmaßnahmen in den Empfehlungen aufgenommen, Hintergrundinformationen zu Mitteln, Verfahren und Wirkungsweise biozider Stoffe sowie Checklisten ergänzt. Eine Handlungshilfe zur kontrollierten Verwendung nicht zugelassener Biozidprodukte, wenn im Falle einer Gefahr für die Tiergesundheit ein derartiger Einsatz notwendig ist und eine Ausnahmeregelung erwirkt wurde, fand ebenfalls Eingang in die Empfehlungen. Die Bedeutung der DVG-Listung der als wirksam befundenen Desinfektionsmittel wurde erneut unterstrichen und Veränderungen der DVG-Prüfmethodik Rechnung getragen.

Die überarbeiteten Dokumente stehen als „Empfehlungen des Friedrich-Loeffler-Instituts über Mittel und Verfahren für die Durchführung einer tierseuchenrechtlich vorgeschriebenen Desinfektion" über das Tierseuchennachrichtensystem (TSN) und auf der Internetseite des FLI zur Verfügung.

Empfehlungen zur Desinfektion bei Tierseuchen (FLI)
Kurzbericht (FLI, 09.01.2020)

 

ANDRÉ-DESBOIS-PREIS WIRD AUSGESCHRIEBEN

Der Verband France-Allemagne Vétérinaire hat zu Ehren seines Gründungspräsidenten einen "André-Desbois-Preis" ins Leben gerufen. Dr. André Desbois verstarb 2018, nachdem er 45 Jahre lang in den Diensten der Deutsch-Französischen Freundschaft im Allgemeinen und im Sinne der engen tiermedizinischen Beziehungen zwischen beiden Ländern im Speziellen tätig war. Mit diesem Preis soll eine Abschlussarbeit oder Dissertation eines französischen oder deutschen Tierarztes in der einen oder anderen der beiden Sprachen möglichst bald ausgezeichnet werden. Diese zu prämierende Arbeit sollte zu einer besseren Kenntnis und Vergleich des tiermedizinischen Berufs in unseren beiden Ländern auf den folgenden Gebieten führen:

  • in den Bereichen Medizin, Chirurgie oder Veterinärmedizin, Tierzucht, Biologie, Berufsgeschichte, Sprachwissenschaft
  • in den Bereichen der Beteiligung von Tierärzten am Umweltschutz und/oder am Tierschutz
  • auf dem Gebiet der vergleichenden Beurteilung des öffentlichen Veterinärwesens
  • im Bereich der freien tierärztlichen Praxis oder im Staatsdienst in beiden Ländern
  • im Bereich der geltenden rechtlichen Bestimmungen für die Ausübung des tierärztlichen Berufs

Verantwortlich für die Bewertung der Arbeit wird eine Jury sein, gebildet aus deutsch-französischen Experten, Lehrenden, Wissenschaftlern und Mitgliedern des öffentlichen Dienstes, die in ihrem Fachgebiet anerkannt sind. Dieser mit 1 000,00 € dotierte Preis wird zum ersten Mal im Rahmen der öffentlichen feierlichen Sitzung der französischen Veterinärakademie verliehen, die am 03.12.2020 in den repräsentativen Räumlichkeiten der Nationalen Akademie der Medizin in Paris stattfinden wird.

Die Bewerber werden gebeten, bis zum 1. Oktober 2020 (Einreichungsfrist) eine Kopie ihrer Arbeit an die Vereinigung France-Allemagne Vétérinaire (france.deutschland.vet@gmail.org) zu senden.

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Februar 2020

 

Berufspolitik

Kurz vor Weihnachten fand in Berlin der Parlamentarische Abend der BTK statt. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Tierärzteschaft und Verbänden folgten der Einladung, die unter dem Motto 25 Jahre BTK stand.

Tierschutz

Haben gestresste Pferde in Dressurprüfungen der hohen Klassen einen Vorteil? Diese Frage ergab sich aus den Ergebnissen einer Studie zur objektive Beurteilung des Abreitens unter Tierschutzaspekten, die hier von Tierärztin Lena Theile et al. vorgestellt wird.

Arzneimittel

Seit 17.01.2020 dürfen andere sachkundige Personen als Tierärzte die Allgemeinanästhesie mit Isofluran bei der Ferkelkastration durchführen. Dr. Ilka Emmerich und Dr. Michael Drees fassen hier zusammen, was aus Sicht der Tierärzteschaft durch diese Aufhebung des Tierarztvorbehalts zu berücksichtigen ist.

 

Termine 2020

4. Februar AG „Notdienst" Berlin
17. Februar Ausschuss für Versuchstierkunde Telefonkonferenz
18. Februar Bundesweiterbildungsarbeitskreis Hannover
4. März Ausschuss für Pferde Berlin
17. März Ausschuss für Lebensmittel-, Milch- und Fleischhygiene Berlin
19./20. März Erweitertes Präsidium Berlin
20./21. März Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin
25./26. Mai Geschäftsführerkonferenz Saarlouis
17./18. September Erweitertes Präsidium Berlin
18./19. September Herbst-Delegiertenversammlung Berlin

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links. 

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