Tätigkeitsbereiche

Kleintierpraxis

Die Kleintiermedizin folgt den Fortschritten der Humanmedizin besonders dicht. Das gilt für Geräte wie Röntgen, Ultraschall oder Computertomograph ebenso wie für die Operationsmethoden, Labordiagnostik oder Arzneimitteltherapie. Während die Zahl der gehaltenen Haustiere heute kein nennenswertes Wachstum mehr zeigt, steigt die Anzahl der Tierarztbesuche von Hundehaltern und Katzenhaltern mit ihren Tieren weiter an. Die Intensität der Betreuung durch die Tierärzte nimmt zu. Spezialisten sind dabei mehr und mehr gefragt, sei es für Bereiche wie Kardiologie, Dermatologie, Onkologie, Geriatrie, Naturheilverfahren oder Verhaltenstherapie, oder für spezielle Tiergruppen wie Ziervögel, Fische, Reptilien oder Kleinsäuger. Für den tierärztlichen Nachwuchs, der überwiegend in die Kleintierpraxis drängt, bedeutet dies, dass die Zukunft nicht im Einzelkämpfertum, sondern in der Kooperation von Spezialisten liegt.

Pferdepraxis

Die Pferdemedizin hat ähnliche technische Fortschritte wie die Kleintiermedizin erfahren. Wie in der Kleintiermedizin gibt es Ansprüche der Besitzer an Hightech-Apparatemedizin. Der Großteil der Pferdepraxis besteht aber aus der Fahrpraxis wie in der Nutztiermedizin, denn die meisten Pferde werden von einem Haustierarzt vor Ort betreut und nur für spezielle Untersuchungen in eine Pferdeklinik überwiesen.

Nutztierpraxis

Die Intensivierung der Landwirtschaft und die immer größeren Leistungsanforderungen an die Nutztiere sind auch für den Tätigkeitsbereich in der Großtierpraxis nicht ohne Folgen geblieben. Die Zukunft liegt hier in der umfassenden tierärztlichen Bestandsbetreuung. Dabei hat der Nutztierbereich theoretisch dieselben medizinischen Entwicklungspotenziale wie die Kleintier- oder Pferdemedizin, ist aber viel stärker als diese von äußeren Rahmenbedingungen abhängig. An erster Stelle steht dabei die Tatsache, dass es um Lebensmittel liefernde Tiere geht und damit immer auch um den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Der Nutztierpraktiker ist Experte für Tiergesundheit, Tierschutz und Lebensmittelsicherheit. Ziel des Tierarztes muss die Minimierung des Arzneimitteleinsatzes mit seinen Risiken von Rückständen und Resistenzen sein und die Gewinnung sicherer Lebensmittel aus einer gesunden Tierpopulation.

Öffentliches Veterinärwesen

Die Grundlage für die Produktion gesunder tierischer Lebensmittel ist die Aufzucht gesunder Tiere. Dazwischen liegen zahlreiche Kontrollen und Überwachungen, um dem Verbraucher Sicherheit geben zu können. Dem öffentlichen Veterinärwesen kommt in all diesen Prozessen eine besondere Bedeutung und eine große Verantwortung zu. Das Feld des öffentlichen Veterinärwesens ist weit gesteckt. Es umfasst unter anderem die Bekämpfung von Tierseuchen und Zoonosen, den gesundheitlichen Verbraucherschutz, die Lebensmittelhygiene, die Schlachttier- und Fleischuntersuchung, die Überwachung des Arzneimittelverkehrs, die Überwachung der Ein- und Ausfuhr von Tieren, die Überwachung von Tierheimen und Tierkörperbeseitigungsanstalten und den Tierschutz.

Industrie

Derzeit sind etwa 5 Prozent aller Tierärztinnen und Tierärzte in der Industrie beschäftigt, die Mehrzahl davon, etwa 80 Prozent, sind in der pharmazeutischen Industrie tätig. Die Breite der tierärztlichen Ausbildung ist dabei die Grundlage für die Einsatz- und Arbeitsmöglichkeiten von Tierärztinnen und Tierärzten in den verschiedenen Industriebereichen. Am Beispiel der Pharmaindustrie, von der Forschung und Entwicklung bis zum Vertrieb von Arzneimitteln, unabhängig von der Anwendung bei Mensch oder Tier, wird deutlich, dass Tierärzte bei allen Schritten mit beteiligt sind bzw. beteiligt sein können. Wesentliche Aspekte der Tätigkeit in der Industrie sind heutzutage die interessanten, meist abwechslungsreichen und oft international orientierten Aufgaben. Allerdings besteht, wie häufig im tierärztlichen Berufsfeld, schon jetzt bei allen Tätigkeiten in der Industrie immer eine Konkurrenzsituation zu anderen Berufsgruppen, wie beispielsweise Humanmedizinern, Biologen, Chemikern, Agrarwissenschaftlern oder Pharmazeuten.

Tierärztliche Bildungsstätten

In der Forschung findet sich ein breites Spektrum von Qualifikationen, von der biomedizinischen Grundlagenforschung über die Pathologie bis hin zur stark praktisch ausgerichteten, anwendungsorientierten Forschung.
In allen Bereichen kommt heute hochmoderne Technik zur Anwendung, und die dort Beschäftigten sind zum Teil sehr spezialisiert. Die Aufgabenfelder umfassen eine wissenschaftliche Tätigkeit theoretischer oder klinisch-angewandter Art, Konzeption von Forschungsprojekten, Publikation von Forschungsergebnissen, nationale und internationale Kontaktaufnahme zu Forschungseinrichtungen, Ausbildung von Studierenden und Patientenversorgung in Kliniken.

Bundeswehr

Die Einsatzbereiche von Tierärzten/-innen bei der Bundeswehr sind überwiegend die Sanitätskommandos oder zentrale Institute des Sanitätsdienstes. Sie überwachen den Umgang mit Lebensmitteln tierischer Herkunft, untersuchen und begutachten Lebensmittel und Bedarfsgegenstände aus mikrobiologischer Sicht und sind in der Tierseuchenprophylaxe und im Tierschutz tätig.

Zoologische Gärten

Der Einsatz von Tierärzten/-innen in Zoologischen Gärten und Wildparks ist sehr begrenzt. Die meisten Tierärzte, die in diesem Bereich arbeiten, betreuen einen Zoo oder Wildpark nebenberuflich, also innerhalb ihrer Kleintier-, Großtier- oder Gemischtpraxis. Es gibt nur sehr wenige Vollzeitstellen in diesem Nischenbereich (69 Fachtierärzte), dementsprechend schwierig ist die Weiterbildung zum Fachtierarzt.

Einkommenssituation, Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Das Einkommen von angestellten Tierärzten in Kleintier- und Pferdepraxen ist derzeit eines der niedrigsten innerhalb aller akademischer Berufe (Stand 2011). Die besten Gehälter werden in der Nutztierpraxis, im öffentlichen Veterinärwesen oder der Industrie gezahlt. Die Entlohnung in der Kleintierpraxis ist, besonders in Ballungsgebieten mit einer tierärztlichen Bildungsstätte, auf Grund hoher Nachfrage nach Stellen oft niedrig. Jedes Gehalt sollte vorher intensiv verhandelt und schriftlich vereinbart werden. (Empfehlungen der BTK)

Arbeitszeiten sind in allen Branchen sehr unterschiedlich. Hier ist es wichtig, sich gut zu informieren und klar definierte Arbeitsbedingungen, auch für Nacht- und Wochenenddienste, auszuhandeln und schriftlich zu vereinbaren.
Beruf und Familie zu vereinbaren ist in diesem Beruf nicht einfach. Diverse Bereiche in der Nutztier- und Kleintierpraxis sind beispielsweise mit einer Familie gut vereinbar. Das hängt aber vor allem von der Praxisform ab: Mehrpersonenpraxen sind generell besser mit einer Familienplanung vereinbar, da Dienste aufgeteilt werden können.

Aktuelle Informationen zu diesen Themen gibt es immer wieder im Deutschen Tierärzteblatt. Viele Artikel sind auch online frei verfügbar. Die Webseite ist eine weitere Quelle.

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