Die Kuh macht’s! Aber nicht zu jedem Preis!
Eigentlich lautet der bekannte Werbeslogan ja: „Die Milch macht’s!“ Dabei wird aber leicht übersehen, wem wir die Extraportion Calcium letztlich zu verdanken haben: der Kuh. Und die zahlt inzwischen einen hohen Preis für unsere nie versiegende Lust auf geschäumte Milch im Kaffee, Knusper-Yoghurts oder Quarkspeisen.
Rund 28 Millionen Tonnen Milch werden Jahr für Jahr in Deutschland produziert. Während diese Leistung noch vor zehn Jahren von circa 5,2 Millionen Kühen erbracht wurde, werden heutzutage für die gleiche Menge Milch gerade mal 4 Millionen Euter angezapft. Das bedeutet eine Steigerung der jährlichen Milchleistung von über 1500 Litern pro Kuh innerhalb eines Jahrzehnts.
Möglich wurde das durch straff ausgerichtete Zuchtprogramme, leistungsorientierte Fütterung und biotechnische Verfahren. Kaum eine Kuh bekommt im Laufe ihres Lebens noch einen Bullen zu Gesicht – künstliche Besamung und Embryotransfer sind Standard.
Aus manchen Hochleistungskühen kann mittlerweile über 14.000 Liter Milch pro Jahr gemolken werden. Diese enorme Belastung des Stoffwechsels bleibt nicht ohne Folgen. Schon geringste Fehler im Management führen zu Fruchtbarkeitsstörungen oder Eutererkrankungen, den häufigsten Gründen, weshalb eine Kuh den heimischen Hof im Mittel schon nach der Geburt des zweiten oder dritten Kalbes verlassen muss – zumeist Richtung Schlachthof.
Trotz der bemerkenswerten Leistungssteigerung der Kühe kämpfen viele Milchbetriebe ums Überleben. Denn die Milchpreise haben laut Aussage des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) geradezu eine Talfahrt hingelegt: Während die Bauern Ende der 80er Jahre umgerechnet ca. 40 Cent für jeden produzierten Liter erhielten, betrug 2006 der Erlös nur noch rund 27 Cent für die gleiche Menge Milch. Und das bei steigenden Kosten für Weidepacht, Energie, sozialer Absicherung etc. Um wirtschaftliches Arbeiten geht es da bei vielen Milchbauern schon lange nicht mehr, es geht um die Existenz.
Aus tierärztlicher Sicht stellt eine einseitige Zuchtausrichtung auf weitere Leistungssteigerung der Kühe keine Lösung dar. In diesem Zusammenhang hat sich die Bundestierärztekammer jüngst gegen die Patentierung von Genen landwirtschaftlicher Nutztiere ausgesprochen. Die angemeldeten Patente zielen zumeist auf eine Erhöhung der Produktivität ab und reduzieren das Tier auf seinen kommerziellen Nutzwert.
Eine solide finanzielle Basis ist die beste Voraussetzung dafür, dass der Tierschutz und die Tiergesundheit bei Zucht und Haltung ausreichend Berücksichtigung finden können. Um den Betrieben ein wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen, ist deshalb nach Meinung des Tierärzteverbandes eine Anhebung des Milchpreises unumgänglich.
PRESSEINFORMATION
Bundestierärztekammer
Arbeitsgemeinschaft der Deutschen
Tierärztekammern e.V., Oxfordstr. 10, 53111 Bonn,
Tel. (02 28) 7 25 46-0/-70, Fax 7 25 46 66
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Inge Brinkmann
PM 4/07, 30. Mai 2007
Der Internationale Tag der Milch wird in Deutschland von der Centralen Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA) und der Gemeinschaft der Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen (GML) organisiert. Er geht zurück auf eine Initiative des Internationalen Milchwirtschaftsverbandes (IMV) und der Welternährungsorganisation (FAO). Von 1950 bis 2000 wurde der von der FAO ausgerufene Tag der Milch am 3. Dienstag im Mai gefeiert, ab 2001 immer am 1. Juni.


