Forderungen des 24. Deutschen Tierärztetages
Die Sicherheit von Lebensmitteln und die Bekämpfung von Tierseuchen waren Schwerpunkte des 24. Deutschen Tierärztetages vom 18. bis 20. Oktober 2006 in Baden-Baden. Über 300 Tierärztinnen und Tierärzte aus ganz Deutschland diskutierten über mögliche Verbesserungen und beschlossen entsprechende Forderungen der deutschen Tierärzteschaft an die Politik zum Schutz des Verbrauchers vor unsicheren Lebensmitteln, zum Schutz des Menschen vor Tierseuchen und zum Schutz der Tiere bei der Bekämpfung von Tierseuchen.
Sichere Lebensmittel – Schutz des Verbrauchers
Zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit unterstützt der Deutsche Tierärztetag bundeseinheitliche Standards in der Überwachung. Deren Effektivität kann nur dadurch erhöht werden, dass die Behörden über ausreichendes, qualifiziertes und unabhängiges Kontrollpersonal verfügen und dieses mit Vollzugsbefugnissen ausstatten. Die Personalkapazität muss an die aktuellen Erfordernisse angepasst werden, denn Betrug und Täuschung bestimmen zunehmend die Arbeit der Tierärzte in der amtlichen Überwachung und machen neue, zusätzliche Strategien notwendig. Um kriminellen Energien effektiver begegnen zu können, sind interdisziplinäre Arbeitsgruppen und eine bessere länderübergreifende Vernetzung erforderlich.
Die deutsche Tierärzteschaft fordert Bund und Länder auf, einen Sachkundenachweis für alle Lebensmittelunternehmer einzuführen, um den Verbraucher vor den Folgen unsachgemäßer Behandlung von Lebensmitteln zu schützen und gesundheitliche Risiken zu minimieren. Betriebliche Eigenkontrollsysteme müssen durch tierärztliches Überwachungspersonal bewertet werden.
Aus Sorge über das Bestreben, zunehmend Ausnahmen von der amtlichen Untersuchung zuzulassen, fordert die deutsche Tierärzteschaft Bund und Länder auf, die tierärztliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung uneingeschränkt beizubehalten. Für die Lebensmittelketteninformation fordert sie, den zuständigen, Bestands betreuenden Tierarzt einzubinden.
Tierseuchen – Schutz von Mensch und Tier
Der beste Schutz vor Tierseuchen und Zoonosen sind effektive Vorbeuge und Bekämpfung Der 24. Deutsche Tierärztetag sieht dies als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und die Gesellschaft muss bereit sein, die dafür erforderlichen finanziellen Voraussetzungen zu schaffen. Die deutsche Tierärzteschaft fordert eine bundeseinheitliche Regelung der Tierseuchenbekämpfung mit einheitlichen Standards und kalkulierbaren Rechtsvorgaben.
Praktizierende Tierärzte müssen für ein wirksames, vorbeugendes Tierseuchen-Krisenmanagement frühzeitig eingebunden werden. Bund und Länder sind gefordert, finanzielle Mittel bereit zu stellen, um ein flächendeckendes Monitoring zu gewährleisten und die diagnostische Abklärung bei anzeigepflichtigen Tierseuchen zu erleichtern. Die Bundesregierung soll außerdem ausreichend Mittel bereitstellen, um Diagnostik und Epidemiologie weiterzuentwickeln.
Allein in Deutschland mussten aufgrund der bisherigen Tierseuchen-Bekämpfungspolitik der EU bei Ausbrüchen der Klassischen Schweinepest von 1993 bis 2006 mehr als 2,5 Millionen Schweine getötet und vernichtet werden, davon 1,3 Millionen gesunde Schweine aus Gründen der Marktstützung. Angesichts dieser massenhaften Tötung gesunder Tiere fordert der 24. Deutsche Tierärztetag Politik und Verwaltung auf, in der Tierseuchenbekämpfung ethische Grundsätze des Tierschutzes zu berücksichtigen. Um unnötige Tötungen zu verhindern müssen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Diagnostik und der Impfung zeitnah in die Rechtsetzung der EU umgesetzt werden.
Die deutsche Tierärzteschaft bittet dazu die Bundesregierung, sich bei der EU-Kommission und internationalen Gremien für die Akzeptanz eines Paradigmenwechsels einzusetzen, der mehrere Schritte beinhaltet: Die internationale Anerkennung neuester Untersuchungsmethoden (z.B. die so genannte RT-PCR bei Schweinepest), die Entwicklung eines Vermarktungskonzeptes für Produkte von gesunden Tieren aus Seuchengebieten inklusive der entsprechenden Aufklärung der Öffentlichkeit sowie die Entwicklung eines EU anerkannten Bekämpfungskonzeptes unter Einbeziehung der Impfung.
Studienreform und Arbeitsmarkt
Der 24. Deutsche Tierärztetag befasste sich außerdem mit dem Thema „Studienreform und Bedarfsanalyse“. Der Beschluss des Tierärztetages betont, dass eine einheitliche, auf einer wissenschaftlichen Ausbildung beruhende Approbation erhalten bleiben soll. Verbessert werden soll die Berufsfähigkeit („Ersttagskompetenz“) der Studienabgänger. Lehrinhalte sollen in „Fachkonferenzen“ unter Moderation der Bundestierärztekammer abgesprochen werden.
Zum Thema „Arbeitsmarkt, Praxisstrukturen, Arbeitszeitmodelle“ beschloss der 24. Deutsche Tierärztetag, die Vorarbeiten des gleichnamigen Arbeitskreises an eine neu zu gründende Arbeitsgruppe zu überweisen.
Die Beschlüsse – hier nur auszugsweise wiedergegeben – wurden von über 300 delegierten Tierärztinnen und Tierärzte in der Hauptversammlung des 24. Deutschen Tierärztetages am 20. Oktober in Baden-Baden gefasst. Die Themen wurden am 19. Oktober in den Sitzungen von insgesamt fünf Arbeitskreisen vorbereitet: „Studienreform und Bedarfsanalyse“, „Tierseuchen – Impfen statt ‚Keulen’“, „Lebensmittelsicherheit“, „Tierseuchen – Gefahr für den Menschen“ und „Arbeitsmarkt, Praxisstrukturen, Arbeitszeitmodelle“.
PRESSEINFORMATION
Bundestierärztekammer
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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Margund Mrozek
PM 17/06, 23. Oktober 2006


