– 50 Jahre tierärztlicher Berufsstand
Die Bundestierärztekammer feiert am 1. Oktober 2004 in Berlin ihren 50. Geburtstag. Der tierärztliche Dachverband wurde 1954 als Deutsche Tierärzteschaft gegründet und 1994 in Bundestierärztekammer umbenannt. Er steht für alle, rund 32.500 Tierärztinnen und Tierärzte aus allen Berufsgruppen.
„50 Jahre haben uns nicht älter gemacht, aber sie haben uns verändert. Das gilt nicht nur für den Verband, sondern auch für den tierärztlichen Berufsstand insgesamt“, so Dr. Ernst Breitling, Präsident der Bundestierärztekammer.
Beispielsweise konnten Frauen in diesem Zeitraum fast die Hälfte der ehemals reinen Männerdomäne erobern und mit fast 90 Prozent bei den Studierenden ist es berechenbar, wann die Tierärzteschaft weiblich sein wird.
Besonders stark vertreten sind Tierärztinnen heute in der Kleintierpraxis.
Vor 50 Jahren konnten die Berufspolitiker sich nicht vorstellen, dass Hund und Katze jemals eine nennenswerte Rolle für die tierärztliche Praxis spielen könnten. Heute sind sie zu Familienmitgliedern avanciert und der Tierarzt wird selbstverständlich konsultiert.
Die Zahl der Kleintierpraktiker hat sich in den letzten drei Jahrzehnten von 414 auf 4.560 mehr als verzehnfacht.
Andere Berufsbereiche waren vor 50 Jahren schon gleich bedeutend, haben sich aber stetig entwickelt: Die Nutztierpraxis von der Einzeltier- zur Bestandsbetreuung, die Aufgaben im Verbraucherschutz zu einer umfassenden Zuständigkeit.
Präsident Breitling versprach anlässlich des Jubiläums: „Wir werden in den nächsten 50 Jahren weiter arbeiten zum Wohl von Mensch und Tier.
Wir wollen die Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung weiter verbessern, wir werden uns weiter für wissenschaftlich fundierten Tierschutz engagieren und vor allem für das große ‚Projekt‘ Verbraucherschutz“.
Jubiläumspressekonferenz: Blick in die Zukunft
In ihrer Jubiläumspressekonferenz am 1. Oktober präsentierte die Bundestierärztekammer einen Blick in die Zukunft von Kleintier, Pferde- und Nutztierpraxis, Amt und Forschung mit dem Schwerpunkt „Tierarzt im Verbraucherschutz“.
Dr. Arnold Ludes, 1. Vizepräsident der Bundestierärztekammer, wies darauf hin, dass Aufgaben und Verantwortlichkeiten angesichts Globalisierung und offener Grenzen zunehmen.
So könnten beispielsweise Tierseuchen wie die Maul- und Klauenseuche oder BSE heute nicht mehr national im Handstreich bewältigt werden, wie es in den 50er-Jahren noch bei der Tilgung der Tuberkulose möglich war.
Dr. Heinrich Stöppler, Präsident des Bundesverbandes beamteter Tierärzte erläuterte das Prinzip „stable to table“, das in Zukunft den gesundheitlichen Verbraucherschutz weiter verbessern soll.
Weit gehende Reformen der EU werden ab 2006 rechtsgültig: Alle Produktionsstufen von Futter- und Lebensmitteln sind dann einbezogen, um höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten.
Tierärzte sind auf allen Stufen beteiligt, der überwachende amtliche Tierarzt wird zunehmend als hochqualifizierter Koordinator verantwortlich.
Unter dem Slogan „Schutz vor Gesundheitsgefahren – Schutz vor Täuschung“ bot Prof. Goetz Hildebrandt, Institut für Lebensmittelhygiene am Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin, eine bekömmliche Demonstration tierärztlicher Kompetenz.
Das wichtigste Ziel der tierärztlichen Lebensmittelüberwachung sei der Schutz des Endverbrauchers vor gesundheitsschädlichen Produkten.
„Schon diesen Auftrag kennt die Öffentlichkeit oftmals nicht. Noch weniger macht sich der Konsument bewusst, dass es auch zur Aufgabe gehört, den Käufer vor Ekel erregenden, geschönten und nachgemachten Erzeugnissen zu bewahren.“
Prof. Kerstin Müller, Klinik für Klauentiere der FU Berlin, betonte die wichtige Rolle, die auch der praktizierende Tierarzt für den Konsumenten- und Tierschutz leistet.
Kernstück der modernen Nutztierpraxis sei die so genannte integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung, die vorbeugend Tiergesundheit sichert und damit eine Basis für einwandfreie Produkte vom Tier ist.
Qualitätssicherungssysteme werden immer wichtiger für Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Produkten.
Tierärzte und Landwirte arbeiteten außerdem konstant daran, den „Kuhkomfort“ zu verbessern.
Das Pferd als Patient zwischen High-Tech-Medizin und Lebensmitteltier stellte Dr. Hans-Joachim Götz vor, Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte.
Pferde seien heute Sportpartner mit hohem finanziellen und Hobbytiere mit starkem emotionalen Wert.
Methoden auf humanmedizinischen Niveau wie minimalinvasive Chirurgie sind oftmals Standard, Spezialisten nutzen bereits Verfahren der Zukunft wie die Computertomographie.
Götz wies aber auch darauf hin, dass das Pferd EU-weit als Lebensmitteltier eingestuft wird, was die therapeutischen Möglichkeiten beeinflusst.
Die Zukunft der Kleintierpraxis liegt im Patienten orientierten Service, so die Prognose von Prof. Leo Brunnberg, Direktor der Klinik für kleine Haustiere der FU Berlin. Auf höchstem medizinischem Niveau werden Spezialisten der verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten, um die Erwartungen des Tierhalter nach bester tiermedizinischer Versorgung zu erfüllen.
Trichinentempel erhalten
Ort der Pressekonferenz war der „Trichinentempel“ (Anatomisches Theater/Langhans-Bau), der das älteste erhaltene akademische Lehrgebäude in Berlin ist, ein unbedingt erhaltenswertes Denkmal und Kulturgut.
1790 als erstes Gebäude der königlichen Tierarzneischule gebaut, ist die Historie dieses Bauwerks eng mit der Geschichte des tierärztlichen Berufsstandes verbunden.
Die Bundestierärztekammer hat sich deshalb dafür engagiert, Spenden für den Erhalt einzuwerben und appelliert an die zuständigen Stellen in Berlin, dem Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin auch weiterhin bei der Nutzung die Rolle des „Primus inter pares“ zu übertragen.
Medienpreis vergeben
Anlässlich ihre Jubiläums vergab die Bundestierärztekammer erstmals einen Medienpreis, der in der Festsitzung am 1. Oktober verliehen wurde.
Preisträgerin der Kategorie „Print“ ist Barabara Willms, Preisträger der Kategorie „Fernsehen“ Lutz Hofmann. (Näheres in Pressemitteilung 10/04 vom 1. Oktober 2004)
PRESSEINFORMATION
Bundestierärztekammer
Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Tierärztekammern e.V.,
Oxfordstr. 10,
53111 Bonn,
Tel. (02 28) 7 25 46-0/-70, Fax 7 25 46 66
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Margund Mrozek
PM 9/04, 1. Oktober 2004


