- Ergebnisse des 23. Deutschen Tierärztetages -
Vom 9. bis zum 11. April trafen sich etwa 430 Tierärztinnen und Tierärzte aus ganz Deutschland zum 23. Deutschen Tierärztetag in Magdeburg.
Sie diskutierten am 10. April in fünf Arbeitskreisen über Lebensmittelsicherheit, Tierschutz in der Nutztierzucht, Tierarzneimittelrecht, das künftige Berufsbild und Qualitätsmanagement.
Am 11. April fasste die Hauptversammlung richtungsweisende Beschlüsse zu diesen und weiteren aktuellen Themen.
Tierarzt und Lebensmittelsicherheit, Überwachung von Futtermitteln
Der gesundheitliche Verbraucherschutz hat einen wachsenden Stellenwert.
Nationale und internationale Regelungen setzen zunehmend auf das Vorsorgeprinzip. Das Weißbuch der Europäischen Union legt das Prinzip „from table to stable“ zu Grunde: Alle Stufen der Lebensmittelkette sollen lückenlos einbezogen werden in die Regelung von Sicherheit und Qualität, in die Überwachung und in die Rückverfolgung der Herkunft.
Futtermittel stehen am Anfang dieser Kette und waren in den letzten Jahren der Ausgangspunkt für viele große Lebensmittelskandale. Als ein wesentliches Problem haben sich bei den Skandalen immer wieder Mängel in Kommunikation und Koordinierung sowie eine fehlende Verknüpfung von Futtermittel- und Lebensmittelüberwachung gezeigt.
Die Synergieeffekte sind geeignet, den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu stärken.
Mit der Umsetzung des Weißbuchs der EU werden zz. Rechtsvorschriften für den Lebensmittelbereich umfassend neu gestaltet. Vielfach ist vorgesehen, dass amtliche Untersuchungen auch betriebseigenem Personal übertragen werden können.
Tierschutz in der Nutztierzucht und bei Transporten
Bei Nutztieren gibt es Entwicklungen in der Zucht, die gegen den so genannten Qualzuchtparagrafen des Tierschutzgesetzes verstoßen.
Erbfehler als körperliche Missbildungen oder als Funktionsstörungen werden in der Nutztierzucht geduldet, wenn sie keinen größeren wirtschaftlichen Schaden verursachen; belastete Tiere werden teils sogar bewusst zur Zucht eingesetzt, wenn sie gleichzeitig besonders hohe Leistungen bringen.
Ein noch größeres Problem stellen korrelierte Selektionsfolgen dar, d. h. negative Begleiterscheinungen einer Zucht auf extreme Leistung, beispielsweise bei der Mastleistung bei Schwein und Geflügel oder der Milchleistung beim Rind.
Damit soll sichergestellt werden, dass nur transportfähige Tiere verladen werden, keine unnötigen Belastungen entstehen, nur geeignete Fahrzeuge verwendet und Ladedichten und Transportzeiten eingehalten werden.
Tierarzneimittelrecht
Die Delegierten betonten, dass Tierschutz und Verbraucherschutz zentrale Anliegen tierärztlicher Tätigkeit seien.
Sie vertraten die Auffassung, dass die 11. Novelle des Arzneimittelgesetzes, die seit November 2002 in Kraft ist, zu einem übermäßigen bürokratischen Aufwand und geringer Effizienz geführt habe und eine moderne, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete tierärztliche Tätigkeit nicht fördere.
Künftiges Berufsbild und Qualitätsmanagement
Die Zukunft des tierärztlichen Berufsbildes wird von zwei Seiten bestimmt: Den Anforderungen privater Klientel und des Gesetzgebers einerseits und dem Zuwachs an wissenschaftlichen Erkenntnissen andererseits.
Der 23. Deutsche Tierärztetag verabschiedete eine Reihe von Maßnahmen, die durch den Berufsstand selber oder durch den Gesetzgeber mittels einer Reform des Studiums zu ergreifen sind, um künftigen Herausforderungen gerecht werden zu können.
Gebührenanpassung Ost
In den neuen Ländern gilt bisher ein Gebührenabschlag von 16 Prozent, die realen Kosten der Tierarztpraxen sind aber bis auf die Personalkosten genauso hoch, wie im Westen; Investitionen in moderne medizinische Ausstattung sind damit erschwert, obwohl sie im Sinne der Tierhalter und des Tierschutzes notwendig wären.
Bei anderen Freien Berufen gilt inzwischen kein Abschlag mehr oder er beträgt höchstens 10 Prozent.
Bundestierärztekammer und Deutscher Tierärztetag – neue Satzung
Ebenfalls in Magdeburg tagte am 9. April die Delegiertenversammlung der Bundestierärztekammer und beschloss u. a. eine neue Satzung.
Die Beschlüsse des 23. Deutschen Tierärztetages sind auf Anfrage im Wortlaut bei der Pressestelle erhältlich, ergänzende Informationen zu den Themen Tierschutz und Verbraucherschutz sind in einer Pressemappe zusammengefasst.
PRESSEINFORMATION
Bundestierärztekammer e.V., Oxfordstr. 10, 53111 Bonn
Tel. (02 28) 72 54 60, Fax 7 25 46 66
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Margund Mrozek
Nummer 3/03, 15. April 2003


